Artikel in der Gaildorfer Rundschau
Ein Hauch von Freiheit und Abenteuer Konzert des Musikverein Gschwend mit der Trachtenmusikkapelle Neukirchen/Oberösterreich Der Musikverein Gschwend hat heuer 110 Jahre auf dem Buckel. Das traditionelle Frühjahrskonzert wurde deshalb ausnahmsweise ausgemustert, um einem fulminanten Jubiläumskonzert Platz zu machen. von RAINER KOLLMER Gschwend. Das Programm erinnerte auf den ersten Blick an das übliche Schema. Hier die gewohnten Einstudierungen der Gastgeber, dort die Präsentation der eingeladenen Gäste. Aber an diesem Abend verlief alles Übrige ohne Klischees und Schablonen. Die Trachtenmusikkapelle Neukirchen bei Lambach in Oberösterreich unter der Leitung von Christian Weixlbaumer und Johannes Stadlmayr ließ die Ohren spitzen. Und die Gschwender Musiker unter Frieder Geiger stellten sich selbstbewusst dem ungezwungenen Vergleichstest mit den Gästen. Es endete schließlich, wie es enden musste: Das freundschaftliche Musiker-Match im Jubeljahr schloss mit einem klaren Unentschieden. Ungeahnt neidvolle Blicke aus der Alpenregion gab es freilich aus anderer Sicht. Die Gschwender formierten sich nach gewohnt ausgeklügelter Aufmarsch-Choreografie (mal hinten links, mal vorne rechts) mit 42 Frauen und 30 Männern auf der Bühne. Die Trachtenkapelle aus Neukirchen konnte die vorgewärmten 55 Plätze mit einer übermächtigen Herrenriege und nur spärlichen weiblichen Einsprengseln besetzen. Obmann Markus Achleitner sah jedoch mit verschmitztem Blick auf die Gschwender Verhältnisse etliche überregionale Ausgewogenheit am Horizont. Seine launig eingestreute Mundart-Formulierung "bei euch herausen" brachte nach Ostwürttemberg unversehens blühende Landschaften mit neu erlangten Freiheiten und ungeahnten Möglichkeiten. Nicht nur für die Österreicher. Die musikalische Revue mit elf Titeln und drei Zugaben war vom Feinsten. Der Musikverein konzentrierte sich ausschließlich auf arrangierte Filmmusik und leistete in seinem Jubiläumsjahr ganz nebenbei eine reizvolle Chronik: Ein Medley aus Chaplin-Kompositionen, Musik aus "Tarzan", den "Glorreichen Sieben", dem "Fluch der Karibik" und aus "Jenseits von Afrika" waren filmische Höhepunkte aus vielen vergangenen Jahrzehnten. Auch die pfiffige Zugabe mit dem River-Kwai-Marsch ("Colonel Bogey March") folgte diesem Genre. Der Hauch von Freiheit und Abenteuer zog sich wie ein roter Faden durchs Programm. Bildeinspielungen und eine gelungene filmische Dekoration bereicherten den ersten Konzertteil. Frieder Geiger forderte mit Nachdruck die nötige Klangreinheit ein und sorgte für gelegentlich notwendige Zurückhaltung im Bereich der Lautstärke. Das synchrone Zusammenspiel der großen Formation stellte für den erfahrenen Dirigenten, der auch durchs Programm führte, diesmal eine besondere Herausforderung dar. Das sechsköpfige Perkussionsteam hatte nicht nur in "Zwei Welten" aus dem Tarzan-Zeichentrickfilm alle Register seines Könnens zu ziehen. Es bestand kein Zweifel: Der Musikverein zeigte, was der "drauf" hatte. Dazu gehörte auch die aus Fichtenberg ausgeliehene Es-Klarinette von Uwe Traub. Bei Instrumentierungssorgen können Beziehungen eben alles sein. Die Gäste aus Neukirchen bedienten viele Sparten. Die Hommage an Landsmann Anton Bruckner mit der Fanfare aus der 8. Sinfonie glänzte konzertant mit einer ausgefeilten Dynamisierung. Die Operetten-Ouvertüre aus Suppés Banditenstreichen überraschte durch hohes Tempo. Moderator Andreas Obermaier ("Können Sie mich verstehen?!) erläuterte informativ und nicht ohne ironischen Charme. Bei "Punchinello" von Alfred Reed, dem Konzertmarsch aus "Zirkus", der Polka "Mährische Freunde" von Miroslav Procházka und "Stayin" Alive" von den Bee Gees waren diese Informationen sehr hilfreich. Die Oberösterreicher interpretierten generell sehr zügig. Die beiden Dirigenten waren deutlich auf markante Phrasierungen aus. Präzision und Kontrast waren die eingesetzten Hilfsmittel. Selbst bei den schnellen Läufen der Polka war nichts Verwaschenes zu entdecken. Zwei besondere Ehrenrunden gab es am Schluss. "Sing, sing, sing" von Louis Prima im Big-Band-Boogie-Woogie-Sound war mitreißend gestaltet und der ungewohnte Marsch mit Gesang "Dem Land Tirol die Treue" glänzte durch zackige Uni-Sono-Männerstimmen. Anlässlich des Jubiläumskonzerts war der Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle (CDU) extra aus Berlin gekommen, auch der Kreisverbandsdirigent war präsent. Walter Schober in Vertretung von Bürgermeisterin Rosalinde Kottmann dankte für die geleistete Arbeit und hob die Bedeutung des Musikvereins für die Gemeinde hervor. Mit Erfolgswünschen und einem Glückwunschkuvert rundete er seine freundliche Gratulation im Verlauf des Abends ab. |
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